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Notquartier

Nach dem 11. September 1944 standen in Darmstadt von zuvor 29000 Wohnungen nur noch etwa 9000 zur Verfügung. Aus dem Osten  des Reiches ergoss sich ein Strom von Menschen auf der Flucht, oder sie waren aus ihren angestammten  Lebensräumen vertrieben. Sie suchten verzweifelt ein Notquartier, ein Dach über dem Kopf, Schutz und Zuflucht. So war es auch in Reinheim. Man suchte den Neuanfang. Es wurde aufgeräumt, aufgebaut, überlebt und überwunden. Bereits in den fünfziger Jahren stellte sich das vielgepriesene Wirtschaftswunder ein und von da an stiegen Wohlstand und Lebensstandart beharrlich an. Dass die schreckliche Not, der Hunger, die Verzweiflung der Nachkriegsjahre darüber nicht in Vergessenheit geraten, das hat sich das Museum Reinheim zur Aufgabe gemacht. Dabei geht es nicht um das verklärte Schwelgen in Erinnerungen, sondern es bleibt ein Ziel, aus den schlimmen Erfahrungen Lehren zu ziehen. Im Museumsgebäude wurde ein weiterer Raum zu Ausstellungszwecken zur Verfügung gestellt. Mit den kargen Mitteln der Zeit wurde er so hergerichtet, dass eine Familie dort schlafen, kochen, essen, leben und wohnen kann. Schränke sucht man vergebens. Vielmehr wird das schmale Hab´und Gut in Koffern und Kisten auf Borden gestapelt.  Ergänzend zum neuen Raum zeigt eine kleine Ausstellung weitere Details aus schwerer Zeit.  So haben Eltern und Großeltern versucht, für die Kleinen mit Spielzeug aus Abfällen und Resten gefertigt, Kinderträume zu erfüllen. Berichte zu geschickter Haushaltsführung und Rezepte zur Ernährung aus dem Mangel heraus, sprechen eine deutliche Sprache. Bildbeispiele, Briefe, Lebenszeichen ergänzen die Ausstellung. Sicherlich ist sie nicht dazu angetan, einen vergnüglichen Museumsbesuch auszustatten. Die Dokumente machen betroffen und regen zu Gesprächen, Nachfragen und Diskussionen an. Genau so soll es sein.

Die zahlreichen Besucher bei der Eröffnung am Donnerstag zeigten sich beeindruckt.

 



 
     
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